Aktuelles

Auszeichnung für die Thyssen Schachtbau GmbH
Erste Vergabe des Gütesiegels „Sicher mit System“ bei der
Bergbau-Berufsgenossenschaft


Seit Mitte der 90er Jahre werden auf der internationalen, der europäischen und nationalen Ebene Arbeitsschutzmanagementsysteme als ein Erfolg versprechendes Instrument zur nachhaltigen Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz diskutiert.
Bild 1: Gütesiegel „Sicher mit System“
Das Ergebnis war die Verabschiedung des nationalen Leitfadens für Arbeitsschutzmanagementsysteme. Auf dieser Basis entwickelte die StBG das Konzept „Sicher mit System“ (SmS).
Mit diesem Konzept können organisatorische und verhaltensbezogene Defizite in den Mitgliedsunternehmen identifiziert und gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen Lösungsansätze erarbeitet werden.

Eine der Grundlagen für die Entwicklung von „Sicher mit System“ war die Auswertung der Unfallstatistiken mit der Erkenntnis, dass der weitaus größte Teil aller Arbeitsunfälle auf organisatorische Defizite und/oder verhaltensbedingte Ursachen zurückzuführen ist.

Das bedeutet zum Beispiel
  • Prüfungen werden nicht durchgeführt,
  • Verantwortlichkeiten sind nicht eindeutig geregelt,
  • Arbeiten werden nur mangelhaft koordiniert, insbesondere in Situationen außerhalb des Normalbetriebes,
  • die Kommunikation im Unternehmen stimmt nicht,
  • Arbeiten werden nur unzureichend geplant bzw. vorbereitet
und
  • die Mitarbeiter erhalten keine oder nur ungenügende Unterweisungen.
Das Konzept „Sicher mit System“ prüft anhand von Basismodulen, den fünf Säulen,
  • führen und organisieren
  • prüfen und beurteilen
  • informieren und motivieren
  • planen und dokumentieren
  • analysieren und auswerten
die Organisationsstruktur von Betrieben und Betriebsteilen.

Auf der Basis des Konzepts „Sicher mit System“ bietet die Steinbruch-Berufsgenossenschaft seit Anfang 2003 eine Überprüfung der Organisationsstrukturen an. Durch die Verwaltungsgemeinschaft mit der Bergbau-Berufsgenossenschaft besteht somit auch für deren Mitgliedsbetriebe seit Herbst 2003 die Möglichkeit, am Gütesiegelverfahren teilzunehmen.
Voraussetzung zum Erwerb ist vor allem, dass eine Betriebsbegutachtung mit Mitarbeiterbefragung, quasi ein Audit (siehe Bild 2), zu einem positiven Ergebnis führt. Zusätzlich müssen alle Führungskräfte des Unternehmens an einem eintägigen Führungskräfteseminar zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz teilgenommen haben. Bei erfolgreichem Abschluss der Überprüfung wird ein Gütesiegel an das Unternehmen für die Dauer von vier Jahren verliehen. Anschließend kann eine erneute Prüfung stattfinden.

Bild 2: Ablauf des Gütesiegelverfahrens

Foto: Westrup


Die gemeinsamen Zielsetzungen von Unternehmen und Berufsgenossenschaften im Gütesiegelverfahren sind
  • ständige Verbesserungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz zu erreichen,
  • Motivation für eine bessere Organisation im Arbeitsschutz zu fördern,
  • Anreize für mehr Systematik im Arbeitsschutz zu geben,
  • geringere Kosten durch weniger Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu erreichen,
  • Wettbewerb in Sachen Arbeitssicherheit zu fördern,
  • Image der Unternehmen zu verbessern.

Auswertungen aus Gütesiegelverfahren haben ergeben, dass die Unternehmen weitere Vorteile haben, indem sie
  • Optimierungspotentiale erkennen und nutzen,
  • Qualität durch weniger Störungen und Fehler steigern und
  • Kosten durch geringere Ausfallzeiten senken.

Als erstes Mitgliedsunternehmen der Bergbau-Berufsgenossenschaft hat die Thyssen Schachtbau GmbH das Gütesiegelverfahren beantragt.

Die Thyssen Schachtbau GmbH ist ein weltweit tätiges Bergbau-Spezialunternehmen, das innerhalb der Bundesrepublik in allen Bergbaufeldern vertreten ist. Ihr Aufgabenbereich umschließt alle ingenieurtechnisch anspruchsvollen Arbeiten im horizontalen und vertikalen untertägigen Bergbau. Organisatorisch werden die Arbeiten in den Bereichen Bergbau und Schachtbau & Bohren abgewickelt, die unabhängig voneinander im Gütesiegelverfahren beurteilt wurden.

Nach ausführlichen Vorbereitungsgesprächen führten die Bereiche mit Ihren Führungskräften auf den Betriebsstellen einen SmS-Selbstcheck durch, bei dem die vorhandene Organisationsstruktur mit den Anforderungen des Gütesiegels abgeglichen wurde.
Das bestehende hohe Niveau im Arbeits- und Gesundheitsschutz seitens der Unternehmensbereiche wurde bereits bei diesen Selbstchecks bestätigt.
Die betrieblichen Prüfungen zur Vergabe des Gütesiegels wurden vor Ort, unter Leitung der StBG (Dipl.-Ing. Horten) gemeinsam mit der BBG (Dipl.-Ing. Beyer und Dipl.-Ing. Hoffmann) durchgeführt.
Unterstützt wurden die Befahrungen durch die leitende Sicherheitsfachkraft, seinem Stellvertreter, den Sicherheitspersonen der einzelnen Betriebsstellen und den Betriebsrat.

Bei den Überprüfungen vor Ort wurden zunächst über Tage die schriftlichen Unterlagen wie z.B. Sicherheit- und Gesundheitsschutzdokument, Arbeitsanweisungen Unterweisungsdokumentationen, usw. begutachtet (siehe Bild 3).

Bild 3: Überprüfung der Unterlagen über Tage
v.l. Dipl.-Ing. Hoffmann, Dipl.-Ing. Horten, Dipl.-Ing. Nowak
Foto: Westrup

Anschließend wurden die Betriebspunkte unter Tage befahren und auf schlüssige Umsetzung der organisatorischen Vorgaben hin überprüft. Hierbei wurden jeweils auch Mitarbeiter zu einzelnen Aspekten befragt (siehe Bild 4).

Bild 4: Befahrung unter Tage
v.l. Dipl.-Ing. Nowak, Dipl.-Ing. Horten, Dr.-Ing. Otto, Dipl.-Ing. Sievers
Foto: Hoffman

Im Ergebnis konnten Detailverbesserungen gemeinsam erarbeitet werden, die dem Ziel, den Arbeits- und Gesundheitsschutz weiter zu verbessern, dienen.

Den vorläufigen Abschluss der SmS-Auditierung bildete die feierliche Übergabe der Gütesiegelurkunden.
Die Bedeutung des Gütesiegels zeigte sich darin, dass der Leiter des gemeinsamen Geschäftsbereiches Prävention der BBG und der StBG, Herr Dipl.-Ing. H. Ehnes, die

Bild 5: Übergabe der SmS Urkunden
v.l.: Dipl.-Ing. Haccius, Dir. Lüdtke, Dipl.-Ing. Ehnes, Dr. Cetindis, Dipl.-Ing. Handke
Foto: Höltken

Urkunden den Vorstandsmitgliedern der Thyssen Schachtbau GmbH,
Herrn Dr.-Ing. C. Cetindis, Herrn Dir. W. Lüdtke und den Bereichsleitern überreichen konnte (siehe Bild 5).

Herr Dr. Cetindis wies in seiner Ansprache darauf hin, dass die positiven Effekte des Gütesiegels überwiegend beim Unternehmen liegen. Der überprüfte Organisationsablauf im Unternehmen stellt sicher, dass die betrieblichen Abläufe optimiert sind und gleichzeitig auch der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter im vollen Umfang gewährleistet ist.
Herr Dir. Lüdtke betonte, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz definiertes Unternehmensziel der Thyssen Schachtbau GmbH ist und in seiner Umsetzung von allen Hierarchieebenen vom Vorstand bis zum Mitarbeiter vor Ort getragen wird. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Unfälle verhaltensbedingt sind, kommt der Mitwirkung der Mitarbeiter eine besondere Bedeutung zu.
Herr Ehnes betonte in seiner Ansprache die Vorreiterrolle des Unternehmens im Bezug auf eine externe Überprüfung ihrer Arbeitsschutzorganisation im Zuständigkeitsbereich der BBG.
Nach seinem Verständnis können nur Unternehmen, in denen der Arbeits- und Gesundheitsschutz integriert ist und dieser von allen Mitarbeitern befürwortet wird, ein solches Verfahren erfolgreich durchführen.
Er bedankte sich bei den Kollegen der BBG und dem Unternehmen für die hervorragende Vorbereitung der Audits und insbesondere auch für die jederzeit offen geführten Diskussionen vor Ort.
Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, Herr T. Müller, betonte nochmals die Bedeutung der Mitwirkung der Mitarbeiter beim Arbeits- und Gesundheitsschutz. Er stellte die Vorteile für das Unternehmen heraus aber auch die Vorteile für die Mitarbeiter, durch organisierten Arbeits- und Gesundheitsschutz ohne Körperschaden und ohne berufsbedingte Erkrankung ihr Berufsleben beenden zu können.

Aus Sicht der beteiligten Berufsgenossenschaften muss das Engagement des Unternehmens Thyssen Schachtbau GmbH hinsichtlich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes hervorgehoben werden. Die positive Ausrichtung des Unternehmens, das Aufgreifen neuer Ideen und die Intensität der Diskussionen bei den Audits zeigen, dass das Gütesiegel der Bergbau-BG mit der Nummer 01 zu Recht dem Unternehmen Thyssen Schachtbau GmbH zuerkannt wurde.
Dieser Anspruch sollte auch Anreiz für andere Unternehmen bieten, sich diesem Verfahren zu stellen und auf freiwilliger Basis ihre Organisationsstruktur prüfen zu lassen, zum Vorteil für das Unternehmen, seiner Mitarbeiter und der Solidargemeinschaft der Unternehmen in der Berufsgenossenschaft.

Autoren:
Dipl.-Ing.(FH) Rolf Hoffmann, TAB Bergbau-Berufsgenossenschaft
Dipl.-Ing. Wolfgang Horten, TAB Steinbruch-Berufsgenossenschaft
Dipl.-Ing. Thomas Sievers, ltd. Sicherheitsing. Thyssen Schachtbau GmbH


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